So denken die Kandidierenden über das Theater Stok und über das Kunsthaus
Es geht nur noch wenige Tage, bis am Sonntag um 12 Uhr die Wahllokale geschlossen und die Wahlzettel ausgezählt werden. In der Februar-Nummer hat sich der Altstadt-Kurier den Themen «Zufallsgenerator bei der städtischen Wohnungsvergabe», der Lärm- und Abfallproblematik von Take-Away-Restaurants und 24-Stunden-Shops, sowie den Plänen der Umgestaltung des Heimplatzes gewidmet. Aktuell werden (online) die Kulturbereiche Theater Stok (auf dem Bild die neue Leitungs-Crew) und Kunsthaus aufgegriffen und was die Kandidierenden dazu sagen.
Das Theater STOK bekommt seit anfangs 2026 kein Geld mehr von der Stadt, nicht einmal die Miete des Raums in der städtischen Liegenschaft (60'000.- pro Jahr) wird mehr übernommen. Finden Sie das der richtige Weg zum Sparen, wenn gleichzeitig etwa das Theater am Neumarkt gegen 5 und das Schauspielhaus gegen 40 Millionen städtische Gelder erhält?
Ruedi Schneider (Gemeinderat SP): Nein. Bei der neuen Konzeptförderung wurden Fehler gemacht, sodass ausgerechnet zwei Kleintheatern die Unterstützung entzogen wurde. Das geht nicht. Das neue Modell muss überarbeitet werden. Der Gemeinderat hat für das Budget 2026 eine Überbrückungs-Unterstützung für das Theater STOK gesprochen und das war mir sehr wichtig.
Andreas Hauri (Stadtrat GLP): Der Stadtrat hat für die Jahre 2024 und 2025 bewusst Abfederungsbeiträge gesprochen und erhöht, inklusive eines befristeten Mieterlass. Diese Unterstützung war Teil eines vom Volk bewilligten Kredits. Die städtische Kulturförderung folgt unterschiedlichen Logiken. Grosse Institutionen haben andere Aufträge und Leistungsvereinbarungen als freie Bühnen. Beides hat in Zürich seinen Platz. Entscheidend ist für mich, dass Förderentscheide transparent und nachvollziehbar sind und wir die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt erhalten.
Përparim Avdili (Stadtratskandidat FDP): Der Umgang der abtretenden Stadtpräsidentin und der bisherigen rotgrünen Stadtratsmehrheit mit dem Theater STOK ist inakzeptabel. Seitens FDP haben wir uns mit verschiedenen parlamentarischen Forderungen die Erhaltung des Theater STOK verlangt und setzen uns weiterhin dafür ein.
Cordelia Forde (Gemeinderätin SP): Meine SP-Gemeinderatskolleg:innen Liv Mahrer und Ivo Bieri haben deshalb ein Postulat für befristete Betriebsbeiträge eingereicht, um den Weiterbetrieb des Theater Stok zu sichern. Das Theater Stok ist eine wertvolle Plattform für gesellschaftliche Themen und Partizipation. Entsprechend habe ich den im Budget 2026 vorgesehenen Beitrag von 35’000 Franken unterstützt, da das Theater Stok eine wichtige Plattform für kulturelle Teilhabe und soziale Öffnung der Theaterarbeit darstellt.
Sibylle Kauer (Gemeinderätin Grüne): Kleintheater sehe ich als eine wichtige Bereicherung der Theaterszene. Dass die zwei Kleinsten (STOK und Keller 62) nun mit dem neuen städtischen Tanz- und Theaterkonzept keine Fördermittel mehr bekommen, stört mich sehr. Wir Grünen haben uns von Beginn weg für die Unterstützung dieser Kleintheater eingesetzt.
Serap Kahriman (Stadtratskandidatin GLP): Nein, Sparen darf nicht auf Kosten kleiner Kulturinitiativen gehen. Es ist wichtig, dass auch kleinere Institutionen Subventionen erhalten. Ich habe mich stets für einen Mieterlass für das Theater STOK ausgesprochen. Zuletzt hat die GLP gemeinsam mit Links-Grün einen Vorstoss (GR 2025/6) eingereicht, der eine Erhöhung der gesamten Kulturausgaben fordert – mit dem klaren Ziel, dass diese insbesondere den kleinen Institutionen zugutekommt.
Yvette Djonova (Gemeinderatskandidatin FDP): Die FDP setzt sich mit verschiedenen parlamentarischen Forderungen für die Erhaltung des Theater STOK ein. Der Umgang der Stadt mit dem Theater ist inakzeptabel. Gleichzeitig fördert die Stadt mit Steuergeldern im Giesskannenprinzip das Schauspielhaus, welches (teilweise aufgrund der absurden Vorgaben der Stadt) ein Programm komplett am durchschnittlichen Publikum vorbei zeigt, was auch die desolaten Eintrittszahlen belegen. Die städtische Regulierungswut zeigt sich am besten daran, dass sich die Stadt teilweise bei den von ihr geförderten Institutionen selbst im Weg steht.
Luca Maggi (Gemeinderat Grüne): Dass dem neuen städtischen Tanz- und Theaterkonzept mit dem Theater STOK - sowie auch dem Theater Keller 62 – genau die zwei kleinsten Theater zum Opfer fallen, befremdet mich. Darum setzen sich die Grünen seit Tag 1 im Gemeinderat für den Erhalt dieser Kleintheater und mehr Vielfalt im städtischen Theaterleben ein.
Michael Schmid (Gemeinderat AL): Grundsätzlich ich die zusätzliche Förderung von kleinen Bühnen und abhängigen Theaterschaffenden, bei gleichzeitiger Konstanz der Beiträge für die grossen Häuser. Jedoch traue ich dem Parlament keine objektive Beurteilung zu, welchen künstlerischen Beitrag verschiedene Kleinbühnen und Kunstschaffenden leisten, wie sich diese gut zu einem gesamthaften Angebot ergänzen, und damit welche finanziert werden sollen. Diese Beurteilung soll eine unabhängige Fachjury vornehmen.
Tobias Langenegger (Stadtratskandidat SP): Ich bin immer dagegen, Institutionen gegeneinander auszuspielen. Das geschieht leider in der Politik viel zu häufig. Ich bin aber dezidiert der Meinung, dass das Theater STOK ein wichtiger Ort ist, der gefördert werden soll. Deshalb habe ich es auch begrüsst, wurde seitens SP im Budget 2026 ein entsprechender Antrag zur Unterstützung des Theaters STOK gestellt.
Karin Weyermann (Stadtratskandidatin Mitte): Die Mitte begrüsst grundsätzlich die Flexibilisierung im Bereich Tanz und Theater mit den Konzeptförderbeiträgen. Den Entscheid der Jury, den beim Publikum beliebten Theater STOK und Keller 62 keine Förderbeiträge mehr zu gewähren, kann ich persönlich nicht nachvollziehen.
Tanja Maag (Stadtratskandidatin AL): Die AL hat bei der Einführung des neuen Förderkonzepts darauf hingewiesen, dass einzelne Institutionen existenziell in Bedrängnis kommen könnten und sich dafür eingesetzt, dass der Fördertopf mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet wird. Der Mittelfluss in für Kleinkunst ist zu fördern. Einzelne Institutionen ausserhalb des Fördersystems separat zu unterstützen, befürworte ich nicht. Es gibt weitere kleine Kulturbetriebe, die ebenso in Not sind.
Marita Verbali (Stadtratskandidatin FDP): Die Situation rund um das Theater STOK ist bedauerlich. Aus Sicht der FDP hätte man hier sensibler vorgehen sollen. Wir haben uns mit parlamentarischen Vorstössen für den Erhalt des Theaters eingesetzt und tun dies weiterhin, weil wir seinen kulturellen Wert für die Stadt anerkennen.
Lara Can (Gemeinderätin SP): Im Dezember hat sich die SP erfolgreich im Budget dafür eingesetzt, dass das Theater Stok Beiträge zur Überbrückung erhält. Langfristig braucht es unbedingt Lösungen, damit auch kleine, alternative Kulturbetriebe in der Stadt überleben können.
Antony Goldstein (Gemeinderat FDP): Ich bin dafür, dass die Stadt das Theater STOK finanziell unterstützt, dafür ist im Kulturbudget der Stadt mehr als genug Geld vorhanden. Man muss nur die Prioritäten anders setzen.
Guy Krayenbühl (Gemeinderat GLP): Die Finanzierung der Theater etc. wurde neue geregelt, das hatte leider Konsequenzen für ein paar kleinere Bühnen, was ich sehr bedaure.
Finden Sie es in Ordnung, wie das Kunsthaus seinen Umgang mit der Sammlung E. G. Bührle pflegt?
Yvette Djonova (Gemeinderatskandidatin FDP): Eine umfassende Provenienzforschung finde ich bei der Sammlung Bührle sehr wichtig. Die Stadt ist mit dieser Aufgabe aber sehr ungeschickt umgegangen und hat bereits vor Vorliegen von abschliessenden Resultaten kommunikativ für Konflikte gesorgt. Es braucht eine angemessene Wertschätzung dieser wertvollen Kunstsammlung und einen sachgerechten und nüchternen Umgang damit, sobald die Ergebnisse abschliessend vorliegen.
Përparim Avdili (Stadtratskandidat FDP): Wir unterstützen eine umfassende Provenienzforschung. Die Art und Weise, wie die Sammlung E. G. Bührle teilweise mit pauschalen Verdächtigungen und Unterstellungen verunglimpft wird, ist inakzeptabel. Es braucht im Gegenteil eine angemessene Wertschätzung dieser Kunstsammlung, um sie Zürich dauerhaft zu erhalten.
Sibylle Kauer (Gemeinderätin Grüne): Nein, ich finde den Umgang bisher zu zögerlich und befremdlich. Die Geschichte der Kunstwerke der Sammlung E. G. Bührle muss unabhängig und wissenschaftlich fundiert untersucht werden, dafür müssen die Stiftung und die Kunstgesellschaft Hand bieten. Das hätte von Anfang an klar sein müssen und dafür auch die Finanzierung sichergestellt werden. Dass dies bisher trotz starker Kritik nicht umgesetzt wurde, finde ich beschämend.
Antony Goldstein (Gemeinderat FDP): Ich bin der Meinung, dass das Kunsthaus viel kritischer mit der Herkunft der Bührle-Kunstsammlung umgehen muss.
Serap Kahriman (Stadtratskandidatin GLP): In der Vergangenheit sind in der Provenienzforschung Fehler passiert. Für mich steht deshalb die konsequente und transparente Provenienzforschung an erster Stelle. Wir müssen unsere eigene Geschichte kennen und einordnen – nur so bleiben wir als Gesellschaft glaubwürdig und handlungsfähig.
Ruedi Schneider (Gemeinderat SP): Nein. Es mangelt an Bereitschaft für eine vollumfängliche Aufarbeitung des Geschehenen. Dass der Stiftungsrat auch noch damit droht, die Sammlung an einem anderen Ort auszustellen ist – mit Verlaub – das Letzte. Ganz generell ist es enorm wichtig, dass – gerade in der heutigen Zeit – die Stadt sich in aller Deutlichkeit gegen Rassismus und Antisemitismus ausspricht.
Guy Krayenbühl (Gemeinderat GLP): Ich denke das Kunsthaus ist nun auf einem guten Weg mit der Sammlung Bührle, denn da liegt noch mehr drin.
Luca Maggi (Gemeinderat Grüne): Ganz und gar nicht. Dass sich ein Museum, welches erheblich von staatlichen Unterstützungsgeldern profitiert, derart gegen eine wissenschaftliche und seriöse Aufarbeitung der Herkunft seiner Sammlung wehrt, ist beschämend.
Karin Weyermann (Stadtratskandidatin Mitte): Eine weitere Provenienzforschung ist grundsätzlich zu begrüssen. Es ist jedoch auch anzuerkennen, dass die Stiftung bereits selber wissenschaftliche Abklärungen getätigt hat. Die Sammlung E.G. Bührle erachte ich als wichtig für Zürich.
Tobias Langenegger (Stadtratskandidat SP): Mir ist die Provenienzforschung sehr wichtig. Entsprechend verlange ich auch, dass diese sauber durchgeführt und allfällige Restitutionen, also die Rückgabe von Raubkunst, vollzogen wird. Aus diesem Grund begrüsse ich es auch, dass der Stadtrat die Provenienzforschung nun vorantreibt und erwarte vom Kunsthaus eine konstruktive Mitarbeit bei der Aufarbeitung.
Marita Verbali (Stadtratskandidatin FDP): Eine sorgfältige Provenienzforschung ist wichtig und wird unterstützt. Gleichzeitig ist es wünschenswert, die Diskussion differenziert und sachlich zu führen. Die Sammlung stellt einen bedeutenden kulturellen Wert dar, dem mit Respekt begegnet werden sollte, damit sie auch künftig ein Teil des Zürcher Kunstlebens bleiben kann.
Michael Schmid (Gemeinderat AL): Ich bedaure sehr, wie die Kunstgesellschaft sich immer noch aus der Verantwortung nehmen will, die grausame Geschichte vieler Exponate der Sammlung Bührle umfassend aufzuarbeiten und die Ergebnisse den Kunsthaus-Besuchenden zusammen mit den Exponaten zu vermitteln.
Cordelia Forde (Gemeinderätin SP): Die Stadt trägt eine moralische Verantwortung für eine unabhängige Provenienzforschung, die auch im Interesse der Bührle-Stiftung liegt. Die Beschwerde gegen die Zweckänderung ist im Interesse der Zürcher Bevölkerung, da sonst trotz hoher Investitionen in den Kunsthaus-Erweiterungsbau der Verbleib der Sammlung in Zürich nicht mehr gesichert wäre.
Tanja Maag (Stadtratskandidatin AL): Eine sorgfältige Provienzforschung ist unsere gesesellschaftliche Pflicht gegenüber den Menschen, die persönlicher Kunstgüter beraubt wurden. Es ist für mich unverständlich, dass die Kunsthaus Stiftung die Verantwortung für eine gründliche Aufarbeitung ablehnt hat.
Andreas Hauri (Stadtrat GLP): Die Sammlung E. G. Bührle ist künstlerisch bedeutend und Teil der Zürcher Geschichte. Gerade deshalb braucht ihr Umgang besondere Sorgfalt. Der Stadtrat unterstützt die weiteren Schritte zur unabhängigen Provenienzforschung und zur historischen Einordnung, die auf dem Bericht von Professor Raphael Gross aufbauen. Transparenz und Kontextualisierung sind für mich entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und der historischen Verantwortung gerecht zu werden.
Lara Can (Gemeinderätin SP): Die Sammlung ist ein Mahnmal für die Beteiligung der Zürcher Waffenindustrie an den Kriegen dieser Welt – damals wie heute. Für mich ist deshalb klar: Kunsthaus, Stadt, Historiker*innen sowie die Stiftung selbst müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen, um der Tragweite dieser Sammlung gerecht zu werden. Dafür braucht es weiterhin eine umfassende, kritische und unabhängige Erforschung, insbesondere im Hinblick auf die Verflechtung der Sammlung im 2. Weltkrieg und mit einem klaren Fokus auf jüdische Vorbesitzer*innen.
