Wo der Quartierverein erfolgreich ist und wo er ansteht

Wenn der Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat zur Generalversammlung lädt, erscheint sehr viel Volk. Fast wie bei einer Landsgemeinde kommen fast alle
offenen Themen aufs Tapet. Nicht überall zeichnen sich Lösungen ab.

Lorenz Steinmann

Es war eine Dernière im Saal des Restaurants zum Grünen Glas. Denn das ziemlich verwinkelte Zunftlokal der Riesbächler wird ab dem 24. April saniert. Weil für den Umbau jedoch lediglich ein halbes Jahr eingerechnet ist, kann es gut sein, dass am 22. März 2027 die GV des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat wieder hier stattfinden kann. 

Doch nun genug des Vorgeplänkels. Die gut zweistündige Generalversammlung des immerhin 133-jährigen Quartiervereins ging vergangene Woche lebhaft wie immer über die Bühne. Es ist bemerkenswert, wie das Ganze trotz quasi offenem Mikrofon bei jedem Traktandum inklusive Varia und der diversen Arbeitsgruppen durchaus geordnet ablief. QV-Präsident Felix Stocker fand immer die richtigen Worte und die Balance zwischen Geduld und charmantem Abklemmen der Voten. 

Stocker stellte eingangs der Versammlung mit Beginn um 19 Uhr fest, dass die Bauerei rund um die neuen Werkleitungen in der Altstadt «sehr gut verlaufe». Nicht gut sei hingegen nach wie vor die Vergabe der städtischen Wohnungen nach dem Prinzip des Zufallsgenerators. «Wir bleiben dran bei diesem Thema bei der Stadt, dem grössten Immobilienbesitzer im Kreis 1», so Stocker. 

Nur ein Bauinstallationsplatz
Beim nun folgenden Kurzreferat von Andreas Hochuli, Oberbauleiter der Stadt für die Erneuerung der Rathausbrücke, zeigte sich, dass die Bevölkerung grundsätzlich zufrieden ist, wie es läuft. Schade scheint höchstens, dass künftig kein Durchgang mehr möglich ist von den Arkaden des Rathauscafes zur Gemüsebrücke. Zudem wurden die beiden Bäume vor dem Hotel Storchen gefällt, es kommen später aber vier neue Bäume (recht gut ausgewachsene osteuropäische Linden) hin. Dass es keinen Kiosk mehr gibt, wurde im Saal mit einem Schulterzucken quittiert. Dafür soll der Bauinstallation-Platz Nord vor dem Gran Café Motta mit doppelstöckigen Baucontainern ausgestattet werden. Dafür fällt der Installationsplatz Süd neben dem Zwinglidenkmal weg. Dort gibt es lediglich die Hilfsbrücke, die zum Weinplatz führen wird. Eine Hilfsbrücke wird es auch beim Cafe Rathaus geben. Wie es heisst, auch aufgrund einer Intervention der Geschäftsvereinigung Limmatquai/ Dörfli (GLD). 
2028 soll die Rathausbrücke fertig sein, bis 2029 erfolgt dann der Rückbau der Hilfsbrücken. 

Abkehr von der Stadt kein Thema
Im Gegensatz etwa zu den deutlich renitenteren Quartiervereinen Wipkingen, Altstetten und Wiedikon ist die Subventionsvereinbarung mit der Stadt beim QV Zürich 1 rechts der Limmat kein grösseres Thema. Dank der Unterzeichung bekommt der QV etwa 14’000 Franken jährlich.  «Der Vertrag schränkt uns nicht ein in unserer Unabhängigkeit», so Stockers Fazit. Erwähnte Quartiervereine hingegen wollen künftig ohne städtische Beiträge agieren. Unklar ist, ob das wirklich im Sinne der Bevölkerung ist oder eher einem politisch motivierten Sonderzüglen entspricht. A propos Geld: Finanzchefin Marisa Gerotto präsentierte die Zahlen unaufgeregt und kurz. Alles im grünen Bereich. 

Eine Schweigeminute gabe es für die in den frühen Morgenstunden des 26.12.2025 im Palliativzentrum Mattenhof verstorbenen Zineb Benkhelifa. Sie sei ein hochgeschätztes  Vorstandsmitglied gewesen, das sich etwa bei der Organisation des Neumarktfestes verdient gemacht habe, so Felix Stocker. 
Damit zu erfreulicheren Themen. Die Arbeitsgruppe Grünräume gibt es seit 12 Jahren. Vertreter Thomas Trachsel erklärte, wie man die Altstadt zum Blühen bringe. Mitmachen könne man, wenn man im Kreis 1 wohne, also auch links der Limmat. Es ist zumindest in Ansätzen eine Art subversive Begrünung, etwa um Baumscheiben herum oder in Miniparks, wie man es vom letztes Jahr verstorbenen Maurice Maggi her kennt. «Grün Stadt Zürich lässt uns wohlwollend-zähneknirschend gewähren», sagte Trachsel.

Taube Ohren beim Thema Lärm
Ebenfalls um die Biodiversität geht es bei der Kompostgruppe (siehe auch Artikel Seite 7). Rudolf Knutti berichtete, dass man die Arbeitsgruppe von vier auf acht Helfende habe verdoppeln können. Es laufe allgemein bestens, nun sei man daran, für den Schaukasten des Quartiervereins auf dem Predigerplatz «gute und schlechte Kompostbeispiele» bereitzustellen. Bekanntlich verrottet nicht alles gleich gut. 

In der Gruppe «Innenstadt als Wohnquartier» haben sich sieben Interessensgruppierungen zusammengeschlossen, darunter  auch der QV Zürich 1 rechts der Limmat. Beim Thema Lärm stösst die Gruppe regelmässig auf taube Ohren bei der Stadt. So wolle die Stadt weder die übergeordnete Website laermgruppe.ch mitfinanzieren, noch eine spezielle Lärmhotline aufschalten. Dabei sei das Lärmproblem nach wie vor akut. So habe etwa der nächtliche Suchverkehr in den Quartieren teilweise wieder zugenommen, seit die Nachtzufahrtskontrollen abgeschafft wurden.  Und das Problem der lauten Autoposer habe sich eher in das Gebiet rechts der Limmat verlagert. 

Felix Stocker erinnerte daran, dass man die Telefonnummer 117 «nicht nur bei Mord und Totschlag» anrufen dürfe. «So fliessen Lärmklagen auch tatsächlich in die Statistik ein». 

Sophie Kreutzberg vom Quartiervereinsvorstand berichtete über die wieder reaktivierte Arbeitsgruppe Verkehr. Dabei scheint der AG die Arbeit nicht auszugehen. Die Rede ist von «chaotischen Beschilderungen» für Velos und Fussgänger, zu schnelle E-Bikes, überall herumstehende E-Trottinets und problematische Gewerbeanlieferungen. Nun folgte die Rüge von Fotograf Niklaus Stauss an die Adresse der VBZ: Warum es denn keinen Busrundkurs gebe beim Bahnhof während des Neubaus der Haltestelle Bahnhofquai/HB? «Für Gehbehinderte verlängert sich die Fahrt zum Beispiel zum Kunstgewerbemuseum auf fast eine Stunde», so der Doyen der Zürcher Promifotografie. Kritik gabe es gegenüber dem Tiefbauamt, dass der Prtedigerplatz mit der neuen Velostation überfüllt wirke. «Die Situation ist sehr ungünstig», hiess es.

Um 21.06 schloss Felix Stocker die lebhafte Versammlung. Er hatte trotz der vielen Voten nur um sechs Minuten überzogen.

Wohltuende Gitarrenklänge
Immer erfrischend, aber auch berührend die Pausenunterhaltung, diesmal bestritten von der jungen Gitarristin Alva Sablonier. Sie spielte drei kurze Kompositionen aus den letzten 150 Jahren, als Höhepunkt sicher ein Stücke der 1971 geborenen Ida Lundén. «Die Komponistin ist aber älter als mein Vater», sagte die talentierte Musikern.  Auf die Jugend lässt sich setzen! Und das ist dringend nötig, denn nur dank Erneuerungen leben Quartiere,