Wenn die kleinen Läden ächzen wegen der langen Bauerei
Angelika Wittek betreibt am Neumarkt den Laden «Bären:stark». Es ist eine faszinierende Welt der Teddys und Plüschtiere. Doch wegen der Bauerei am Neumarkt und am Rindermarkt hat sie den Laden nun vorübergehend geschlossen.
Lorenz Steinmann
Seit gefühlt einigen Jahren schon wird gebaut im Niederdorf. Der Grund: Nach bald einem halben Jahrhundert braucht es neue Werkleitungen und ja, schickere, rollkoffertauglichere Pflästerungen. nun belasten Lärm und Staub das Quartier, und das sehr extrem. Seit September 2025 sind der Neumarkt und auch der Rindermarkt an der Reihe.
Angelika Wittek, die den Laden «Bären:stark» betreibt, bekommt die Bauerei aus nächster Nähe mit. «Wir alle versuchen, kreativ und mit positiver Energie mit den Immissionen umzugehen», sagt die Geschäftsinhaberin. So bringe die Familie Ramos vom Lebensmittelladen jeden Morgen die ganze Verkaufsware mit einem Sackkarren zum Laden, seit man nicht mehr mit dem Auto oder Lieferwagen zufahren kann. «Der Laden ist das Herzstück unseres kleinen Biotops im Niederdorf», betont Wittek. Doch nicht alle Läden und Firmen können sich mit einem Sackrolli behelfen. Einige haben Ferien vorgezogen, auf Kurzarbeit umgestellt oder gleich ganz dicht gemacht. Die Schmuck-Galerie Friends of Carlotta lockt mit zusätzlichen Ausstellungen wie ab dem 9. Mai.
Wittek selber hatte wegen der Renovation eines Nachbarhauses monatelang Baugerüste quer über der Ladenfront, zusätzlich zum Tiefbau. Sie dekorierte alles mit Blumengirlanden und -sträussen, um überhaupt sichtbar zu sein. Ins Wasser oder besser in die Baugrube gefallen ist hingegen letzten Herbst der Parcours «Rund um Keramik». Sibylle Meier von Brunngass Keramik, eine der Organisatorinnen, war erstaunt, dass die Bauerei schon im September begann. Eigentlich wurde Oktober als Baubeginn kommuniziert. «So eine lange Vorplanung ... und dann das», erinnert sich Wittek. Doch den Humor hat sie bisher nie verloren. Ihr Baustellenbär mit seiner gelben Weste ist online schon fast ein Star. Das ziehe zwar keine zusätzliche Kundschaft an, sei aber ideal als Psychohygiene. Als zermürbend empfindet Wittek den Kontakt mit der Stadtverwaltung. So müsse per Briefpost (!) bewiesen werden, wenn es vor dem Laden keinen Platz für das bewilligte Bänkli habe. «Sonst werden uns die Bewilligungsgebühren nicht rückerstattet. Für die Läden mit grossen Aussenflächen steht viel Geld auf dem Spiel».
Besucherstrom ist versiegt
Beim Treffen mit dem Altstadt-Kurier macht Wittek einen humorvollen, starken Eindruck. Doch die 59-Jährige erklärt, dass der Besucherstrom seit der Bauerei am Rindermarkt fast ganz versiegt sei. «Ich habe mich sehr bemüht, aber jetzt ist meine Energie erschöpft». Wittek hat sich entschlossen, ihren Verkaufsladen für Teddys und Plüschtiere bis auf Weiteres zu schliessen.
Die Wohnbevölkerung ist natürlich noch einmal in ganz anderem Ausmass von den Baustellen betroffen. Der Altstadtbewohner Peter Brunner, der ebenfalls eine aktive Kommunikation seitens der Behörden und der Bauleitung vermisst, bringt es auf den Punkt: «Es wäre doch ein Zeichen der Wertschätzung und der Anteilnahme seitens Stadt, wenn sich mal eine Politikerin Zeit für uns Einwohnerinnen und das Gewerbe nimmt».
Wann genau die Bauerei vor Ort ein Ende hat, ist noch nicht klar. Sicher ist, dass die Bauarbeiter vor Ort Rücksicht nehmen, wo es nur geht. Als kürzlich der Belag des Neumarkts weggespitzt war, halfen die Bauarbeiter den Leuten, die nicht mehr so gut zu Fuss waren, durch die langgezogene, unebene Baustelle. Es sei ein überaus rührendes Bild gewesen, wie Altstadt-Bewohnerin Marie-Claire Meienberg festgestellt hat.
