Weltblatt für den
Kreis 1


Umfrage zur Abstimmungsvorlage:
Der neue Sechseläutenplatz



Am 23. September kommt die Vor­lage zum neuen Sechseläutenplatz zur Abstimmung. Dies wegen des Referendums von SVP, FDP und SD. Der Altstadt Kurier hat einige Meinungen zum Projekt gesammelt.

Eigentlich war alles besiegelt. Der ­Gemeinderat hat am 14. März mit 75 zu 47 Stimmen den Kredit für den neuen Sechseläutenplatz (inklusive Veloweg darum herum) beschlossen. Doch dann ergriffen SVP, FDP und SD das Behördenreferendum, weshalb es nun zur Volksabstimmung über den Kredit von 17,2 Millionen Franken kommt. Die SVP stört sich an den ­hohen Kosten und wünscht sich statt des Platzes eine Wiese.
Die FDP wehrt sich gegen den vorgesehenen Abbau bei der Abbiegespur in die Schoeckstrasse von zwei Spuren auf eine, weil sie einen Rückstau im Utoquai befürchtet. Das ist in­sofern bemerkenswert, als dieser Spurabbau gar nicht Gegenstand der Abstimmung ist. Wird die Vorlage nämlich angenommen, so muss der Regierungsrat den Spurabbau erst noch genehmigen. Je nach Ergebnis wird der Platz 16 000 Quadratmeter gross (mit einer Spur) oder «nur» 15 700 (mit zwei Abbiegespuren).
Wird die Vorlage abgelehnt, bestimmt auch der Regierungsrat über den Spurabbau…

Das Projekt
Das von langer Hand vorbereitete Projekt beinhaltet die Gestaltung der riesigen Fläche zwischen Schoeckstrasse, Utoquai, Opernhaus und ­Theaterstrasse. Also des bisherigen Sechseläutenplatzes, vergrössert um den früher als Parkfläche genutzten Theaterplatz direkt vor dem Opernhaus, was eine Verdoppelung der ­Fläche ergibt. Mit seinen Ausmassen wird der Platz der grösste inner­städtische Platz der Schweiz werden, grösser gar als der Markus-Platz in Venedig.
Der Platz soll einen Belag aus Valser Quarzit, einem grünlichen Gestein, erhalten. Insgesamt 51 Bäume auf gekiesten Inseln sollen Schatten spenden, ein Wasserspiel und Sitzgelegenheiten sind geplant, das Café mit Plätzen im Freien ist bereits Realität. Eine Fahrspur für Velofahrende umrundet den Platz.
Die Grossveranstaltungen wie Sechseläuten, Zirkus Knie und ein Herbstzirkus, das Züri Fäscht, die Street ­Parade und das Zurich Film Festival können weiterhin hier stattfinden, insgesamt soll der Platz an mindes­tens 180 Tagen im Jahr zugänglich sein für die alltägliche Benützung durch die Bevölkerung.

Einige Stimmen zur Vorlage
Martin Brogli, Präsident des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat und Zünfter: «Ich mache mit im Pro-Komitee und befürworte die neue Gestaltung des Platzes. Die Wirkung des Opernhauses kommt voll zur Geltung und der Platz sollte daher an möglichst vielen Tagen im Jahr frei von Veranstaltungen bleiben.»
Angelo Pfister ist Co-Präsident der ­Geschäftsvereinigung Limmatquai/ Dörfli und Zünfter: «Es muss immer das Teuerste sein in Zürich! Das geht ins Gleiche wie das Durchstieren des Hafenkrans. – Wie auch immer: Wichtig ist, dass die bisherigen Veranstaltungen problemlos durchgeführt werden können. Und dass die nötige Infrastruktur dafür vorhanden ist. Immerhin hat man für den Belag einen Stein aus der Schweiz und nicht etwa aus Vietnam gewählt, das ist etwas Positives. Der Belag sollte rutschfest sein, auch bei Nässe.»
Hansbeat Bächler ist Reiter bei der Weggen-Zunft, zum Thema Belag: «Vom Belag her braucht es für das Sechseläuten ja eine geeignete Unterlage für den Umritt. Wichtig ist, dass das Wasser ablaufen kann. Dieses Jahr war das auf der harten Unterlage ein Sumpf… Das war beim früheren Erdboden gut, der hat einiges Wasser aufnehmen können.»
Rolf Studer, als Reiterchef des Zentralkomitees der Zürcher Zünfte (ZZZ) verantwortlich für alles rund ums Reiten am Sechseläuten, meinte dazu: «Wir haben bei der Stadt den Wunsch nach einer geeigneten Unterlage eingebracht. Am Sechseläuten reiten immerhin 360 Pferde um den Böögg, was es zum grössten Pferdeanlass der Schweiz macht. Ob Rasen oder Stein mit einer geeigneten Auflage: Das spielt für uns keine Rolle, der Boden muss einfach reitbar sein. Wir sind hier zu Gast bei der Stadt.»
Martin Mannes ist Geschäftsführer der «Brasserie Schiller & Goethe Bar», welche direkt an den Platz angrenzt: «Für uns war die lange Bauzeit für das Parkhaus schwierig. Sodann handelt es sich um viel Geld für die Gestaltung. Ist es richtig, aus einer Wiese eine Piazza zu machen? Es wird auf dem Platz sehr heiss werden. Hoffentlich gibt es nicht wieder eine so lange Bauerei. Zurzeit freuen wir uns einfach darüber, dass die Bauabschrankungen weg sind.»
Thomas Rosenberger, Mitinhaber von Sternen-Grill und Belcafé und ­direkter Nachbar: «Der neue Platz ­wäre schön für Zürich, deshalb mache ich auch im Pro-Komitee mit. Alle wollen den Platz nun endlich fertig haben. Zurzeit ist der Platz ja einfach eine Wüste und würde bei einer Ablehnung weitere Jahre so bleiben, was extrem schade wäre. – Die Steine für den Belag habe ich gesehen und ich finde sie wunderschön. Der Platz braucht keine Rasenfläche, ausser, man brächte das Geld auf, jedes Mal alles mit Rollrasen sogleich wieder neu zu machen. Es gibt ja viele Bäume, die Schatten werfen, damit es nicht so heiss wird. Die Vorteile überwiegen für mich massiv.»
Nicolas von Graffenried ist CEO der Commercio-Piccadilly-Gruppe, zu der das neue «Collana Bar e Caffè» auf dem Platz gehört: «Ich finde das Projekt sehr positiv und hoffe, dass der Platz so kommt. Wir möchten gern ­einen Aussenbereich, der in sich abgeschlossen ist. Den Stein für den Belag finde ich wunderschön, heiss ist Asphalt ja auch, das ist so, in einer Stadt. Und es gibt ein Wasserspiel und Bäume… Die Bauerei muss nun auch mal ein Ende haben. Der freie Blick auf den Üetliberg, die Gross­zügigkeit des Platzes ist super.»
Heinz Burkhardt ist Geschäftsführer der Amag Services AG, die das Parkhaus Opéra betreibt: «Ich finde das Platzprojekt super und es ist schade um die Verzögerung durch diese Abstimmung. Die frühere Wiese war ja nichts fürs Auge, weil sie meist braun war. Das Ganze nun am Spurabbau aufzuhängen ist schade, denn durch diesen Spurabbau gibt es keinen Nachteil. Zum Kredit: Vor der Oper, am See, an so prominenter Lage: da darf es auch etwas kosten. Man erhält einen urbanen Platz mit Verkehr rundum und Leben, einen grossstädtischen Platz. Einmalig ist die freie Sicht, die man erhält.»
Benedikt Loderer, Stadtwanderer: «Eigentlich ist es ja kein Platz, eher eine Terrasse. Weil keine Randbebauung vorhanden ist. Ein Platz ist ja wie ein Gefäss ohne Deckel. So ist es eher wie ein riesengrosser städtischer Balkon, der eine klare Richtung hat. Vorn ist der See. Das ist gut für die Stadt, die Anbindung an den See. In Zürich sind zwei Plätze gut: Die Bahnhof­halle ist innen wie ein grosser, städtischer Platz, wenn sie mal nicht überstellt ist. Der zweite, das wäre jetzt eben der neue Sechseläutenplatz, ein guter Aussenraum. Da soll man Ja stimmen.»
Elmar Legergerber, alt Stadtpräsident, Präsident Zürich Tourismus: «Das ist ein Projekt, das ich 1999 angestossen habe, das urbane Qualität hat, das etwas bietet. Der Wettbewerb wurde im Jahr 2000 entschieden, nun hat es lange gedauert. Es ist ein tolles Projekt, das eine enorme Bereicherung für die ganze Stadt bedeutet, für die ganze Bevölkerung, das ganze Jahr über!»

Elmar Melliger

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