Weltblatt für den
Kreis 1


Heidi Brunner hat 57 Jahre bei Samen Mauser gearbeitet
Spätpensionierung mit 84 Jahren



Sie sieht aus, als hätte sie das reguläre Pensionsalter gerade erst erreicht. Doch das war bereits vor 20 Jahren der Fall. Nun ist Heidi Brunner doch noch in Pension gegangen.

Betritt jemand den Laden, wenn Heidi Brunner zu Besuch ist, wird man von der Herzlichkeit der Begrüssung überrascht, die Wiedersehensfreude ist auf allen Seiten gross. Wenn dann noch ein Hund dabei ist… An ein Gespräch mit Heidi Brunner hier bei Samen Mauser an der Marktgasse ist nicht zu denken.
In einem nahe gelegenen Café setzt sich Hermann Singenberger dazu, der Inhaber der Geschäfte an der Marktgasse sowie im Shop-Ville. Er war die letzten 17 Jahre der Chef von Heidi Brunner, die im zarten Alter von 27 Jahren ihre Tätigkeit bei Samen Mauser aufgenommen hat. Damals war das Geschäft im Haus zum Schwert bei der Gemüsebrücke. Dort hat sie den «Futternapf» betreut, den kleinen angegliederten Laden mit Tierartikeln.
Samen Mauser hat dann das Haus verkauft und ist umgezogen an die Marktgasse, wo bis anhin die Metzgerei Geiser war. Hermann Singenberger, davor während 18 Jahren als Abteilungsleiter bei Jelmoli zuständig für Gartenshop, Zooabteilung und Autoshop, übernahm 1995 das Geschäft an der Marktgasse und führt bis heute auch den gleichnamigen Laden im Shop-Ville.
Nun, Heidi Brunner also hat die Zooabteilung aufgebaut mit einem breiten Angebot für Hund und Katz. Vom Futter über Zubehör wie Leinen und Halsbänder gab und gibt es alles bis zum Pyjama und zu Winterpullis in allen Farben, handgestrickt von Erika Dallarosa.
«20 bis 25 Hunde kommen pro Tag und jeder bekommt ein Hundewürstli», sagt Heidi Brunner, was ein Stück weit die enge «Kundenbindung» der Vierbeiner erklärt. Sie erzählt: «Einer der Hunde kommt stehlen. Er schnappt sich zwei Schweinsohren und verschwindet wieder. Zwei andere Hunde stibitzen jeweils Knochen. Da sind wir früher manchmal hinterher…» Und die beiden, ein gut eingespieltes Team, lachen herzlich.
Heidi Brunner sagt: «Wir haben eine super Kundschaft mit netten Hunden. Ich bin mit allen gut ausgekommen, auch mit dem Chef, wenn er nicht frech geworden ist.» Und ergänzt: «Mir händ ja amel s’Chalb gmacht…» Wieder Herzlichkeit.

Gutes Namensgedächtnis
Dieser Laden ist einzigartig, so etwas gibt es kein zweites Mal, sind die beiden und viele andere überzeugt. Das bringt es mit sich, dass zum Teil Leute vorbeikommen, die bereits vor 40 Jahren zur Kundschaft zählten. Da geht man dann vielleicht zusammen etwas trinken über Mittag.
Kann man so viele Hunde überhaupt kennen, auseinander halten? Aber ja, kommt als Antwort, das sei sogar besonders wichtig. Und weil die Hundeleben ja endlich sind, hat Heidi Brunner nicht nur den jeweiligen Hund eines Stammkunden namentlich gekannt, sondern sich auch an den Namen des Vorgängers erinnert.
In der Zeit an der Marktgasse hat sie schwerpunktmässig weiterhin die Zooabteilung betreut, sich jedoch auch in das Sortiment mit den Gartensachen wie Pflanzenschutzmittel, Dünger, Blumenzwiebeln eingearbeitet.

Grosse Veränderungen
Wie stark die Marktgasse sich in den letzten Jahrzehnten doch verändert hat! Stichworte Bianchi Comestibles, Bäckerei Bertschi, Käseladen Müdespacher, Apotheke und Drogerie, oben der Modelleisenbahnladen: «Das war noch schön!»
Immerhin gibt es noch den Samen Mauser. Wobei Hermann Singenberger über eine Nachfolge nachdenkt. Denn er ist inzwischen auch schon stolze 78 Jahre alt! «Jemand mit Liebe, mit Freude an Hunden und Garten müsste es sein.»
Und wieder necken sich die beiden. Heidi Brunner vermisst das schon, denn «heute schiebt mich niemand mehr auf die Rolle». Sie denkt gern zurück an die Zeit der Berufstätigkeit. Wie sie und der Chef jeweils schon eine Stunde vor Ladenöffnung zusammen im Laden gefrühstückt hätten und wie sie den Laden schon eine halbe Stunde vor der eigentlichen
Öffnungszeit aufgemacht habe. Und wieder die Erinnerungen: Wie die Hunde ihr Herrchen oder Frauchen in den Laden zogen, um ein Würstchen zu ergattern. Und wie sie am Sonntag, so berichteten die Kunden, vor der geschlossenen Türe standen und vorwurfsvoll hinein blickten… Ergreifendes habe es gegeben wie der Mann, der ein letztes Würstchen holen kam, bevor er seinen kranken Hund einschläfern lassen musste.

Am liebsten weiter gearbeitet
Heidi Brunner, auch jetzt wieder tadellos angezogen und geschminkt, sie sieht um viele Jahre jünger aus als sie ist, hat früher voll gearbeitet, zuletzt dann noch etwa drei Tage die Woche.
Sie hätte gerne weiter gearbeitet, erklärt sie. «Aber», sagt sie und blickt zu Hermann Singenberger, «er braucht schon jemand, der ganztags da ist.» Zudem, ergänzt sie, sei es manchmal nicht so einfach, jünger auszusehen, als man ist. Man werde bisweilen überschätzt, was die Kräfte angehe. In letzter Zeit hätte sie dann schon gemerkt, dass sie nicht mehr die Jüngste sei: «Man sieht zwar jünger aus, däbii isch mer e alti Gluggere.» Die beiden lachen wieder herzlich und Heidi Brunner sagt: «Es fehlt mir schon wahnsinnig! Die Kunden und alle Tiere fehlen mir.»

Elmar Melliger

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