Weltblatt für den
Kreis 1


Zur Gestaltung des Limmatquais
Neues Limmatquai – mit Kubus?



Das mittlere Limmatquai ist vom Durchgangsverkehr befreit. Man hat sich an das neue Verkehrsregime gewöhnen können. Was jetzt noch fehlt, ist die Neugestaltung.

Wie soll diese Neugestaltung aussehen, was sind die Bedürfnisse? Wie stellt man sich zum geplanten Kubus? Der Altstadt Kurier hat sich umgehört.

Seit dem 25. September ist das mittlere Limmatquai für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zaghaft nehmen Fussgängerinnen und Fussgänger die neue Freiheit in Anspruch, sich am Limmatquai auch auf der Fahrspur fortzubewegen. Was ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen ist, denn nach wie vor präsentiert sich auch dieser Abschnitt als Strasse mit Tramtrassee und trennenden Trottoirs, auf die man sich dann vielleicht doch lieber zurückzieht, zur Sicherheit. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Beim Tief- und beim Hochbauamt ist man an der Planung für die Neugestaltung.

Das Projekt
Man erinnert sich: aus einem Wettbewerb ist das Projekt der Planergemeinschaft um die Ralph Baenziger Architekten AG als Sieger hervorgegangen. Dieses dient nun als Grundlage für die Projektierung. Das damals im Helmhaus ausgestellte Projekt sieht im Wesentlichen Folgendes vor: Zwischen der Münster- und der Rudolf-Brun-Brücke, dem gesperrten Teilstück des Limmatquais, wird die Oberfläche den neuen Verhältnissen entsprechend gestaltet. Das Tramtrassee bleibt asphaltiert und soll dem verbleibenden rollenden Verkehr dienen: Trams, berechtigte Ausnahmefahrten wie Anlieferung etc., Velos. Der übrige Teil ist Fussgängerbereich und erhält zur optischen Abgrenzung eine Pflästerung. Die Art der Pflastersteine ist noch nicht bestimmt, es soll jedoch eine Natursteinpflästerung werden, wie Rudolf Steiner, Gesamtprojektleiter beim Tiefbauamt, auf Anfrage erklärte. Die Trottoirs werden aufgehoben resp. eingeebnet. Zwischen Münster- und Gemüsebrücke wird ansonsten nicht viel verändert, wohl aber beim folgenden Abschnitt, vom «Rathaus-Café» abwärts bis zur Rudolf-Brun-Brücke. Hier wird die über die Limmat ragende Kragplatte, gerade etwa in Trottoirbreite, abgetragen. Man wird danach am Geländer direkt über der (neu zu erstellenden) Quaimauer stehen, wie heute schon im Abschnitt oberhalb der Gemüsebrücke. – Die Tramhaltestelle Rudolf-Brun-Brücke wird neu gestaltet, der überdachte Wartebereich wird wie ein Balkon über das Wasser hinausragen. Etwa auf der Höhe der Rosengasse (etwas oberhalb, vor Hausnummer 76) wird ein Zugang zum Wasser erstellt, eine Schiffsanlegestelle, die längs der Quaimauer verläuft.

Streitpunkt Kubus
Beim Rathaus-Café schliesslich ist ein grösserer Eingriff geplant. Hier soll der Platz fast durchgehend werden, das heisst die Treppe zur Plattform am Wasser, ein Längssteg, wird nurmehr schmal sein, verglichen mit der heutigen Situation. Der gewonnene Platz kann bestuhlt und bewirtschaftet werden. Anstelle der heutigen Kanzel mit den zwei Bäumen und einem Elektroverteilerkasten sieht das Projekt eine Baute vor, ein Glaskubus auf zwei Etagen. Für dieses Gebilde war vorerst keine Nutzung bekannt, man hat das als gestalterisches Element vorgesehen. Der Kubus war von Beginn weg der umstrittenste Teil des ganzen Projekts.

Die Planungsschritte
Nach Auskunft von Projektleiter Rudolf Steiner kommt man mit der Projektierung gut voran und rechnet damit, dass der Stadtrat etwa im April den Kreditantrag an den Gemeinderat stellen wird, der dann darüber zu befinden hat. Das Bauvorhaben wird rund 13 Millionen Franken kosten. Dazu kommen Sanierungsarbeiten an der Quaimauer oberhalb des Rathauses bis zur Riviera, die mit anderthalb Millionen Franken veranschlagt werden. Die Realisierung der Neugestaltung ist im Zeitraum Februar 2006 bis Sommer 2007 vorgesehen.
Der Bau des Kubus jedoch, und das scheint wichtig, fällt nicht in dieses Teilprojekt resp. wurde davon abgetrennt. Zu viele Fragen stellen sich hier: Kommt der Kubus tatsächlich? Wenn ja: aus welchen Materialien soll er gebaut werden, aus Glas oder aus Stein, und wie soll er aussehen? Welchen Zwecken soll er dereinst dienen? Und was kostet das Ganze? Die Planung hierfür läuft separat, und zwar beim Amt für Hochbauten. Dort waren keine weiteren Auskünfte erhältlich über den Stand der Planung. Offensichtlich will man sich aber für dieses heikle
(Teil-)Projekt mehr Zeit nehmen.

Stimmen aus dem Quartier
Nachfolgend noch einige Stimmen aus dem Quartier. Was meint Benedikt Loderer, Stadtwanderer und Architekturkritiker, zur geplanten Neugestaltung? «Der Kubus wäre hervorragend geeignet als Badehäuschen mit Umkleideraum. – Im Ernst: Die Stellung des Kubus ist richtig. Ich bin allerdings nicht so ein Freund von Glas, hätte es lieber in Sandstein, wie der Theus-Tempel nebenan. Er markiert das untere Ende der früheren Kalbshaxen-Moschee, der abgerissenen Fleischhalle. Dass es ihn nicht braucht, ist offensichtlich. Doch aus ästhetisch-städtebaulichen Gründen ist es richtig, dort etwas zu bauen, um die Treppe zur Limmat einzufassen. – Der Hauptgewinn des Projekts ist die Eliminierung der übers Wasser ragenden Kragplatte aus den Fünfzigerjahren.»
Martin Brogli, Präsident des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat: «Kritisch sehe ich die Nutzung des zweigeschossigen Glaskörpers beim ‹Rathaus-Café›. Dieser wirkt nach meiner Meinung wie ein Fremdkörper am Limmatquai und kann weggelassen werden. – Auch sollte entlang des Limmatquais ein weiterer Abgang zur Limmat mit Sitzmöglichkeiten vorhanden sein. Die Fahrbahn für Lieferanten und Velos muss klar vom Fussgängerbereich getrennt sein, so dass nicht das Problem zwischen flanierenden Fussgängern und Velofahrern wieder aufkommt. Schade finde ich auch, dass keine Bäume geplant sind.»
Andreas Wyss, Co-Präsident der Geschäftsvereinigung Limmatquai/Dörfli: «Der GLD-Vorstand ist einstimmig der Meinung, dass der Kubus nicht reinpasst. Wenn er tatsächlich gebaut würde, wäre das sehr schade, würden wir das bedauern. Und zur Nutzung: Restaurants haben wir rundherum schon eine Fülle, da braucht es keine weiteren. Wenn die Kragplatte mit dem Trottoir verschwinden soll, wäre das gefährlich für die Fussgänger, denen wenig Platz bliebe. Positiv ist, dass die Stadt Gespräche mit uns führt.»
Martin Küper, Präsident des Einwohnervereins Altstadt links der Limmat: «Der Kubus ist der grösste Streitpunkt. Solange keine Nutzung sich aufdrängt und man diese erst suchen muss, soll man den Bau bleiben lassen. Das würde sowieso etwas Edles, völlig Unbrauchbares werden. Von der Gestaltung her könnte ich mir das noch vorstellen. Doch man soll das Geld besser sparen und mal das ‹Rathaus-Café› umgestalten. Über den Rest des Projekts gibt es nicht viel zu sagen. Dass der Kubus separat behandelt wird, das ist gut.»
Christine Schmuki, Vorstandsmitglied Einwohnerverein: «Was ich mir schön vorstelle, ist das abgebrochene Trottoir, dass man direkt am Wasser ist. Eigentlich wären mir lieber Trottoirs als eine Pflästerung. Wichtig ist der Zugang zum Wasser. Zum Kubus: Nachdem man die Fleischhalle abgebrochen hat, muss man jetzt dort nicht wieder alles verbauen, schon gar nicht mit einem hässlichen Glaskubus. Anwohnende der Schipfe würden den Bau des Kubus bedauern, aus ästhetischen Gründen. Ich finde, das braucht es überhaupt nicht.»
Ursi Strasser, Altstadtbewohnerin: «Neulich sass ich bei schönstem Sonnenschein draussen beim ‹Gran Café› und stellte mir vor, ich könnte nicht mehr zur Schipfe schauen, sondern würde einen unnützen Glaswürfel vor der Nase haben. Dann spazierte ich auf dem Trottoir gegen die Rudolf-Brun-Brücke und dachte, wie es dann sei, wenn die flanierenden Leute auf den Tramschienen spazieren, die Velofahrer fluchend Zickzack fahren und immer wieder ein Auto ‹irrtümlicherweise› das Limmatquai runterfährt. – Man muss ja nicht eine verkorkste Geschichte, den Ersatz der Fleischhalle durch das ‹Café Rathaus›, noch verschlimmern. Lassen wir uns doch Zeit, um eine gute Lösung zu finden!»
Josefina Beck vom «Gran Café»: «Ich kann mir diesen Kubus nicht gut vorstellen. Und das nähme uns am Abend die Sonne weg. Jetzt ist alles schön offen. Nachher würde man an eine Fassade schauen. Es wäre schade.»
Christopher Eckstein vom «Rathaus-Café»: «Dieser Kubus passt nicht gerade dort hin. Ich finde es nicht etwas Gelungenes. Mir wäre lieber, wenn der Kubus nicht käme.»
Die Sache mit dem Kubus ist ganz offensichtlich ein Politikum, das noch zu reden geben wird.

Haben Sie selbst sich schon mit dem Thema befasst, was ist Ihre Meinung dazu? Im Internet unter www.tiefbauamtzuerich.ch kann man sich ein ungefähres Bild machen vom Projekt. Ihre Meinung interessiert uns, teilen sie uns diese doch kurz mit! Altstadt Kurier, Postfach 2380, 8022 Zürich, altstadtkurier@zuerich1.ch.


Elmar Melliger



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