Weltblatt für den
Kreis 1


Zur Gestaltung des Limmatquais
Jetzt wird es konkret



Die Realisierung des Projekt für ein neu gestaltetes Limmatquai soll anfangs 2006 beginnen und bis Mitte 2007 abgeschlossen sein.

Kürzlich liessen sich Quartiervertreterinnen und -vertreter an einer Veranstaltung des Tiefbauamts informieren über das Projekt für ein neu gestaltetes Limmatquai. Es ist das seit zwei Jahren bekannte und nun ausgearbeitete Projekt «Kai von Zimmern». Die Realisierung soll anfangs 2006 beginnen und bis Mitte 2007 abgeschlossen sein.

Jetzt rückt es näher, wird es konkreter: das neu gestaltete Limmatquai. Wobei, eigentlich ist das Projekt ja schon bekannt, seit Baenziger Architekten mit «Kai von Zimmern» siegreich aus dem Projektwettbewerb hervorgegangen sind. Das war vor zwei Jahren (im Mai 2003 wurden die Projekte in einer Ausstellung im Helmhaus gezeigt). Und daran gab und gibt es wenig zu rütteln. Das wurde an der gut besuchten Informationsveranstaltung noch einmal deutlich gemacht, war den meisten aber ohnehin schon klar. Nichts mit Palmenstrand in der Innenstadt, fast nichts mit Zugängen ans Wasser, wenig mit zusätzlichen Sitzplätzen am Quai. Was die Verantwortlichen gleich selbst kappten, war der Zusammenhang des Gestaltungsprojekts mit dem Projektbestandteil Glaskubus. Dieser Kubus, der einen grossen Aufschrei auslöste und bis heute heftig umstritten ist, wurde vom Projekt getrennt und soll zu einem späteren Zeitpunkt, wenn überhaupt, realisiert werden. Die Planung hierfür läuft beim Hochbaudepartement. – Der Stadtingenieur Urs Spinnler konnte eine stattliche Anzahl von Leuten begrüssen: Exponenten der Quartiervereine, der Geschäftsvereinigung GLD, des Einwohnervereins, aber auch des Limmat-Clubs wollten sich auf den neusten Stand bringen.
Gehen wir vom Allgemeinen zum Speziellen und zu den Details. Rudolf Steiner erläuterte zunächst den so genannten Projekt-Perimeter, das Gebiet also, in dem gebaut wird, nämlich von der Münster-Brücke bis zum Mühle-Steg. – Im oberen Teil, zwischen Münster- und Rathaus-Brücke, bleibt die Ufermauer bestehen, und das Limmatquai erhält eine neue Oberflächengestaltung, wie der ganze gesperrte mittlere Teil. Im folgenden Abschnitt, also zwischen der Rathaus- bis zu Rudolf-Brun-Brücke, wäre der Kubus geplant (dort, wo heute zwei Bäume auf einer Kanzel stehen), der hier ausgeklammert bleibt. Die breite Treppe beim «Rathaus-Café» wird verschmälert und unten wird ein Balkon angefügt. In diesem Abschnitt wird das uferseitige Trottoir abgeschnitten, die so genannte Kragplatte, die das Wasser überragt und erst einige Jahrzehnte alt ist. Hier soll die Ufermauer wieder zum Vorschein kommen, analog zum oberen Teil. Es wird eine Schiffsanlegestelle (mit entsprechendem Zugang zum Wasser) gebaut, und bei der Rudolf-Brun-Brücke erhält die uferseitige Tramhaltestelle einen Balkon über dem Wasser als Warteraum. Im unteren Abschnitt, bis zum Mühlesteg, werden einige Anpassungen vorgenommen und Bäume ersetzt. – Das bisher Gesagte mag man mehr mögen oder weniger:
Es ist nicht nur «beschlossene Sache», sondern auch schon bis ins Detail geplant und ausgearbeitet, wie die folgenden Ausführungen des Projektleiters Röne Rüegg und des Architekten Andreas Rietmann zeigten. Wobei: Der Stadtrat muss noch den entsprechenden Beschluss fassen und der Gemeinderat den Kredit von rund 13 Millionen Franken genehmigen.

Ein Platz und ein Balkon
Bereits oberhalb des erwähnten Perimeters sind gewisse Arbeiten auszuführen. Bei der Riviera, oberhalb der Wasserkirche, muss nämlich das Geländer saniert werden. Am gegenüber liegenden Ufer, in den Gewölben beim Waldmann-Denkmal, kann der Limmat-Club künftig seine Weidlinge versorgen, die gegenwärtig unter der abzubrechenden Kragplatte Schutz finden. Von der Münsterbrücke flussabwärts muss ebenfalls das Gusseisengeländer saniert werden, ebenso die zwei Abgänge zum Wasser, und eine Mauersanierung ist angesagt.
Beim «Rathaus-Café» entsteht ein neuer Platz, dessen Niveau achtzig Zentimeter tiefer und damit näher an der Wasseroberfläche liegt als das heute der Fall ist, und der eingefasst wird mit einem Geländer, anstelle der heutigen bulligen Mauer. Die heutige Treppe zum Fluss wird durch eine schmälere ersetzt. Diese führt zu einem drei Meter breiten und knapp dreissig Meter langen Balkon hinunter, der längs über den Fluss ragt. Die Tramhaltestelle Rathaus wird für beide Fahrtrichtungen parallel auf der Höhe des «Rathaus-Cafés» sein.

Ufermauer sichtbar
Die über das Wasser ragende Kragplatte zwischen «Rathaus-Café» und Rudolf-Brun-Brücke, etwa die heutige Trottoirbreite, wird abgerissen. Der dadurch entstehende Flächenverlust wird etwas ausgeglichen, indem die neuerdings sichtbare Ufermauer nicht einfach restauriert, sondern ihr eine neue, ebenfalls in Naturstein (Sandstein vom oberen Zürichsee), voran gebaut wird. Damit gewinnt man wieder einen Meter Breite zurück. Das Geländer ist modern, aber vom gotisierenden am oberen Limmatquai inspiriert. Die neue Tramhaltestelle wird mit einer drei Meter langen überdachten Wartebank auf einem Balkon über dem Wasser eingerichtet.
Zwischen Münster- und Rudolf-Brun-Brücke, also im gesperrten mittleren Teil, erhält das Limmatquai ein neues Gesicht resp. eine neue Oberflächengestaltung. Diese besteht künftig aus einem etwa sechs Meter breiten Asphaltband, der Fahrspur. Diese teilen sich Tram, der Zubringer- und Anliefer- sowie der Veloverkehr. Die übrige Fläche wird gepflästert, die Trottoirs entfallen. Wobei vom Fahrstreifen zum Fussgängerbereich ein Niveauunterschied von zwei Zentimetern angelegt wird. Ein sichtbarer, doch sanfter Übergang, der ein problemloses Ausweichen von Velos vor dem Tram etc. ermöglicht.

Problem Tramhaltestellen
Hier liegt eine Krux: Die beiden Tramhaltestellen Rathaus und Rudolf-Brun-Brücke werden nämlich auf ihrer ganzen Länge behindertengerecht angelegt, sprich ein dreissig Zentimeter hoher Absatz wird geschaffen, der ein problemloses Einsteigen ermöglichen soll. Um die Proportionen zu den historischen Bauten am Quai nicht zu stören, bekam das erstaunte Publikum zu hören, will man hier das Niveau des Fussgängerbereichs nicht entsprechend anheben, sondern den Fahrstreifen mit den Geleisen senken, und zwar auf einer Länge von jeweils zweiundvierzig Metern. Das Tram gleitet also sachte in Einsteigeposition. – Dass so kurz nach der feierlichen Einweihung der neuen Tramgeleise vor wenigen Jahren diese bereits wieder herausgerissen und neu verlegt werden sollen, provozierte doch einiges Stirnrunzeln. Und weshalb, so sei erlaubt zu fragen, genügt hier nicht jeweils eine Einstiegsrampe von einigen Metern Länge, die eine Tramtüre bedienen würde? Das wäre weniger teuer und weniger gefährlich als eine vierzig Meter lange «Schlucht», die das Überqueren der Fahrbahn mitten in einem Fussgängerbereich unnötig erschwert. Solche Einstiegskissen, moderat und zweckmässig, hat es übrigens am neu gestalteten Schaffhauserplatz.
Die Art der Pflästerung ist Gegenstand der Abklärung. Zu diesem Zweck wurden an der Ecke Limmatquai / Mühlegasse vier Musterfelder angelegt. Steine unterschiedlicher Herkunft und Oberflächenbeschaffenheit sowie Reihen- versus Bogenpflästerung sollen im Test die Rolleigenschaften zeigen. Das ist wichtig für alle möglichen Gefährte: Rollstühle, Kinderwagen, Rollkoffer etc. Nicht gemeint sind hier natürlich Skateboards, Kickboards, Velos, denn diese sollen den Fussgängern nicht den Platz streitig machen… – Unterhalb der Rudolf-Brun-Brücke werden flussseitig die neun Bäume (Ahorn) gefällt und durch neunzehn neue (Platanen und Schnurbäume) ersetzt, die Baumreihe wird bis zur Brücke weiter geführt.

Zum Bauplan
Die Bauarbeiten sollen im Januar 2006 beginnen und im Sommer 2007, vor dem Züri-Fäscht, beendet sein. Dabei wird in Etappen vorgegangen. Zunächst kommt der Abschnitt zwischen Central und Rudolf-Brun-Brücke dran, im ersten Halbjahr. Von Frühling bis Herbst ist die Sanierung von Geländer und Werkleitungen oberhalb der Wasserkirche vorgesehen. Eine weitere Etappe betrifft den mittleren, gesperrten Teil des Limatquais, ca. von April bis Ende Jahr. Es wird jeweils Stück um Stück fertig gemacht, also nicht die ganze Strecke eine Baustelle sein. Das sind noch grobe Angaben, das detaillierte Bauprogramm wird etwa Ende Jahr feststehen.
Das neue Limmatquai wird zweifellos eine städtebauliche Aufwertung darstellen und, wie Stadtingenieur Urs Spinnler sich zum Schluss ausdrückte, «der Sonnenquai wird zu neuem
Leben erweckt».

Elmar Melliger

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