Weltblatt für den
Kreis 1


Die Liegenschaft Marktgasse 7 / 9 ist verkauft worden
Lebensmittelladen hätte Priorität



Die Liegenschaft Marktgasse 7 / 9, wo früher die Bäckerei Bertschi war, ist verkauft worden. Nun steht ein Umbau bevor, der ein Jahr dauern dürfte.

Jahrhundertelang duftete es an der Marktgasse nach frisch gebackenem Brot. Vor über hundert Jahren wurde hier die Bäckerei Bertschi gegründet, die 1985 mitsamt der Liegenschaft von Guido Bertschi an die Bäckerei Bertschi «Zum Brotkorb AG» verkauft wurde. Die Zeit nahm ihren Lauf, der Platz in den engen Räumen auf mehreren Etagen wurde knapp und die technischen Anlagen entsprachen nicht mehr modernen Ansprüchen, und so wurde Produktion und Administration im Jahr 1999 nach Glattbrugg ausgelagert. An der Marktgasse blieb nur noch der Laden im Erdgeschoss, der ganze Rest des Hauses respektive der Häuser stand leer. Vor einem Jahr schliesslich, anfangs Juli, wurde auch der Laden geschlossen, zwecks Gesamtsanierung der Liegenschaft. Über die künftige Nutzung konnte Christian Hertig von der Bäckerei Bertschi «Zum Brotkorb AG» damals noch keine Auskunft geben. Im April dieses Jahres folgte die Ausschreibung des Bauprojekts, das die bisherige Hauseigentümerschaft in Auftrag gegeben hatte.
Und nun die Überraschung: Die Liegenschaft ist Mitte Juli verkauft worden. Die neuen Eigentümer sind der bekannte Unternehmer Fredi Müller («Kaufleuten», «Terrasse» etc.) und der Architekt Giuseppe Scapin. Beide sind schon Miteigentümer der Liegenschaften Oetenbachgasse 5 / 7 / 9, wo sie mit ihren Familien auch wohnen.
Fredi Müller sprudelt vor Begeisterung, wenn er über die Altstadt spricht: «Ich bin ein alter Altstadtgeniesser, habe schon an der Schifflände, Predigergasse, Schlüsselgasse gewohnt.» Ebenso lobt er das neue Objekt: «Erstaunlich, die Lichtverhältnisse: ab dem dritten Stock hat es viel Licht und Sonne und ab dem sechsten Stock hat man Fernsicht auf die Alpen!» Weiteres Plus: Die Häuser verfügen über einen Lift; immerhin ist das Dachgeschoss im achten Stock.

Möglichst Lebensmittel
Geplant ist nun, Giuseppe Scapin übernimmt die Feinausarbeitung und Realisierung des Projekts, einen Laden über drei Geschosse einzubauen, der vom Untergeschoss bis ins erste Obergeschoss führt, mit einer Fläche von rund dreihundert Quadratmetern. Betreffend Nutzung hat Fredi Müller eine klare Philosophie: «Die Marktgasse ist die historische Toplage in Zürich, hatte immer viel mit dem Markt zu tun, der hier abgehalten wurde beziehungsweise auf der Gemüsebrücke. Daher haben Mietinteressenten, die mit Lebensmitteln zu tun haben, Priorität.» Wobei er einschränkt, dass bei dem zu erwartenden Quadratmeterpreis von durchschnittlich zwar unter tausend Franken pro Jahr es ein Einzelhändler dennoch schwer haben dürfte. Viel eher denkt er beispielsweise an einen Engroshändler, der hier einen Laden an Toplage betreibt mit einem Schaufenster- und Werbeeffekt für die dahinter stehende Unternehmung. Vorstellbar wäre etwa eine Reformhauskette mit einem gehobenen Angebot. Möglich wäre auch ein Shop-in-Shop-Konzept wie es das beispielsweise bei Jelmoli gibt, wobei, falls Brot im Angebot stünde, Bertschi ein Vormietrecht eingeräumt wurde.
Da ist also noch vieles offen und vieles möglich. Die dahinter liegende Absicht, der Wunsch ist es, die Marktgasse wieder zu einer Gasse werden zu lassen, die ihrem Namen gerecht wird.

Etwas in Bewegung bringen
Man erinnert sich: Vor gut zehn Jahren war hier auf engstem Raum die Metzgerei Geiser, der Käseladen Müdespacher, die Bäckerei, die Elefanten-Apotheke, die Rathaus-Drogerie und der Comestibles Bianchi. Ganz so wie früher wird es kaum werden. Aber einen Versuch zu unternehmen lohnt sich trotzdem. Denn auch die Häuser gegenüber haben Sanierungsbedarf; so könnte etwas in Bewegung kommen. Fredi Müller: «Vielleicht braucht es auch einen Zwischenschritt, um die Marktgasse wieder ‹artgerecht› zu gestalten. – Letztlich können wir die gewünschte Nutzung nicht mit dem Brecheisen herbeiführen.»

Hohe Kosten
In den Obergeschossen entstehen neben einigen Büroräumen sechs Wohnungen, die nicht billig sein werden, denn, so Müller, eine Altstadtliegenschaft zu sanieren komme teurer zu stehen als neu zu bauen. Die Mieten seien dennoch moderat, nicht spekulativ. So wird eine Zweizimmerwohnung ab ca. 1500 Franken zu haben sein, während andererseits eine Maisonettewohnung mit Dachterrasse auf über fünftausend Franken zu stehen kommen wird. Vorgesehen sind eine Duplex- und eine Triplexwohnung (über zwei respektive drei Stockwerke reichend) in den oberen Geschossen. Etwa im Herbst 2007 soll der Umbau abgeschlossen sein, wenn alles gut läuft.

Elmar Melliger


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